Je mehr unsere moralischen Maßstäbe durcheinander kommen, umso mehr wird von "Werten" gesprochen: "das Europa der Werte, wir stehen für unsere Werte ein, wir sind eine Wertegemeinschaft."
Aber welche Werte sind überhaupt gemeint und wo kommen diese denn her?

Ein Fußballtrainer eines Sportverein, den ich sehr schätzte, hat mir mal gesagt: "Natürlich zählt die Leistung hier bei uns in unserem Verein und auch wenn ich mich darum bemühe, dass gerade auch die Schwachen eine Chance bekommen. Letztlich will unsere Mannschaft gewinnen und da findet auch immer eine Auslese statt. "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen." Anders geht es gar nicht." Mit Grausen erinnern ich mich an die eigene Schulzeit, wenn die Mannschaft zusammengestellt wurde und die jeweils besten aus einer Klasse, sich ihre Mannschaft zusammenwählten und in jeder Sportstunde bekam man es wieder auf Butterbrot geschmiert, wo man im internen Klassenranking stand. Und noch schlimmer war es, wenn dann die anderen Klassen auch noch mit dabei waren.
So sehen also Werte aus. Das sind vielleicht nicht gerade die, die wir gerne hätten, aber das sind die, die gelten. Die Besten nach vorne, die Schlechten werden aussortiert, Leistung zählt.
Und wie sieht es in der Wirtschaft aus - auch so ein wichtiger Lebensbereich?
Welche Werte werden bei uns in der Wirtschaft abgefordert: Belastbarkeit z. B. oder wie es so schön heißt Flexibilität und sicher auch das berühmte "dicke Fell" - man darf sich nicht so viele Gedanken machen um die anderen. Erst mal muss ich das eigene Schäfchen ins Trockene bringen, dann kann man auch mal über die anderen nachdenken - auch ein Wert.
Was hier schon klar wird, ist, dass Werte oft ihr Eigenleben haben. Sie richten sich nicht danach, was wir gerne hätten sondern was die
Gesellschaft, was das Wirtschaftssystem, was die Situation verlangt. Die Werte, die gelten sind oft nicht die, die wir in Sonntagsreden beschwören. Wenn wir also von den Werten sprechen, die bei uns gelten, sollten wir uns klar machen, welche Werte wir meinen und welche wir wollen und woher sie kommen sollen.
Wenn es uns z.B. wichtig ist, dass ein gewisser Anstand herrscht, Rücksichtnahme, Respekt, eine echte Gleichberechtigung, wo auch der Schwache seine Aufgabe bekommt und zählt, dann gibt es darauf für mich nur eine Antwort:
" Alles nun was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch ! Das ist das Gesetz und die Propheten." Mt. 7,12, so sagt es Jesus
Wenn wir darauf die Probe machen, dann haben wir hier einen sicheren Maßstab für unsere Werte. Wir sollen uns in den anderen hinein versetzen: der Chef in seinen Angestellten, von dem er was verlangt, der Lehrer in seinen Schüler,
die Mutter in ihre Tochter und der Trainer in den letzten und Schwächsten seiner Mannschaft und was dabei herauskommt: das hat Wert im Sinne Jesu.
Ich glaube wir müssen viel vorsichtiger sein und nachdenklicher: Werte sind nicht einfach da, sie verändern sich, sie stehen heimlich im Hintergrund, werden nicht ausgesprochen aber praktiziert, es gibt gute und schlechte Werte, Dinge, die wertvoll scheinen und nur hohl sind. Um mich in all dem zurecht zu finden brauchen wir den Glauben an Gott, der uns sagt, was recht und gut ist und zwar wie Jesus nicht autoritär von oben herab, so ist es, so sag ich das sondern so, dass er uns einen Weg zeigt, es selber herausfinden: "Alles was ihr wollt dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch."

Ihr Pfarrer Hartwig Dede

   

Copyright © 2012 Werbeservice & Notensatz Steffen Fischer, www.notensatz-s-fischer.de  Stand: 16.07.2019  

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