„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch…” Hes.36,26

Liebe Gemeinde,
diese Jahreslosung eignet sich hervorragend als Stichwortgeber. Sie ist so herrlich unbestimmt, ein neues Herz, ein neuer Geist, darunter kann man so viel verstehen, mutig und zuversichtlich ins neue Jahr gehen, alte Befindlichkeiten hinter sich lassen, sich ein Herz fassen und voranschreiten.

Doch bevor wir vorschnell dabei landen, was wir uns dabei denken, sollten wir uns fragen, was uns hier durch den Propheten Hesekiel von Gott gesagt wird.

Wir feiern in diesem Jahr das 500-jährige Reformationsjubiläum. Für Luther waren die drei Säulen seines Glaubens, das Bekenntnis zu Christus, zur Gnade Gottes und zur Heiligen Schrift. Das war der Kern des Evangeliums, sola scriptura, sola gratia, sola christus. Und der Grundsatz „sola Scriptura” beinhaltete für ihn, dass uns in der Bibel in menschlichen Worten und Gedanken Gottes Wort und Gedanke begegnet. Diese Chance eröffnet sich auch heute, wenn wir die Worte der Bibel hören und wirklich auf sie hören und versuchen zu verstehen, was uns hier gesagt werden soll.

Ein neues Herz. Was ist damit gemeint? Wir müssen etwas weiter lesen, denn dann heißt es: „und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.” Das neue Herz ist ein „fleischernes Herz” und das „fleischerne Herz” ist das Gegenteil vom „steinernen Herz”. Also fragen wir, was ist mit dem „steinernen Herz” gemeint?

Manchen von uns fällt da bestimmt das Märchen vom „Kalten Herzen” ein. Das ist das Herz eines Menschen, der durch seinen Reichtum hartherzig geworden ist. Was hier gemeint ist, ist allerdings eher das Gegenteil. Hesekiel ist der Prophet, der mit seinem Volk ins Exil gezogen ist. Er hat sie in die Verbannung begleitet. Er spricht zu Menschen, die alles verloren haben, ihre Heimat, ihr Selbstvertrauen und sogar ihren Gott. Sie mühen sich durch einen anstrengenden Alltag und versuchen unter den Verhältnissen irgendwie zurecht zu kommen.

Von ihnen sagt er, sie hätten ein „steinernes Herz”, zumindest sind sie in der Gefahr zu versteinern. Er spürt diese Gefahr. Wie viele Menschen haben, heute in diesem Sinne ein „steinernes Herz”, dass sie das Gefühl haben unter Verhältnissen leben zu müssen, die ihnen fremd sind und immer fremder werden, dass sie ein Leben führen, das sie sich nicht ausgesucht haben sondern sich mit ihrem Schicksal abfinden müssen und auch Gott scheint weit weg. Sie haben es aufgegeben sich Gott zuzuwenden, sich von ihm etwas zu erhoffen. Menschen mit solchen Gedanken und Gefühlen hat der Prophet im Blick. Das sind die Menschen mit „steinernem Herzen” und wie viele von uns haben heute so ein „steinernes Herz”.

Davon können wir uns auch nicht einfach selbst befreien. Wir können an den Verhältnissen nur bedingt etwas ändern. Wir können nicht einfach wieder zurückkehren in eine Vergangenheit, die uns vielleicht um so vieles heimlicher und freundlicher vorkommt.

Aber hier hinein spricht der Prophet seine Zusage: „Ich schenke euch ein neues Herz und einen neuen Geist…” Ich, Gott, will das tun, euch ein fleischernes Herz geben, das wieder mit mir rechnet, das sich auf mich verlässt. Das Leben liegt vor euch wie eine große Verheißung. Der Geist, der dahin führt, ist der Geist, der neu nach dem Willen Gottes fragt, der sich damit beschäftigt, was Gott will und danach sein Leben gestaltet. Denn das war der Fehler der Vergangenheit, dass man zwar viel von Gott geredet hat aber sich nicht um ihn gekümmert hat. Das will Gott ändern. Er verspricht uns diesen Geist, der auf Gott sieht und seinem Willen folgt.

Wenn wir das hören, ist das ein großes Versprechen und es kann uns erst einmal entlasten, denn wir müssen uns nicht selbst an unserem Zopf aus dem Sumpf ziehen wie Münchhausen. Wir müssen nicht selbst unseren Kleinmut und unsere Verzagtheit überwinden. Das Einzige, was wir müssen, aber auch können ist, dass wir anfangen, dem Wort Gottes zuzuhören und ihm zu vertrauen. Alles Weitere wird sich daraus ergeben und nach und nach wird sich in uns dies „fleischerns Herz” bilden, das neue Herz, dass Gott immer mehr in den Mittelpunkt des eigenen Lebens rückt.

Liebe Grüße, Pfarrer Dede

   

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